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Bibliothekartag 2011 – Digitalisierung historischer Zeitungen

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Das Thema klingt jetzt vielleicht erst mal nicht so spannend, ist es aber durchaus. In der einleitenden Präsentation stellte Thomas Bürger von der SLUB fest, dass es keine lückenlose Sammlung der Zeitungsbestände in Deutschland gibt und auch kein nationales Portal der Digitalisierungen. Andere Länder sind da schon weiter. Und die Zeitschriftendatenbank ist zwar eine gute Datenbank für Bibliothekare, aber für Forscher nicht gerade intuitiv zu benutzen. Es gibt also noch viel zu tun.

Die DFG fördert bereits einige Zeitungsprojekte, erfuhren wir im Vortrag von Frau Müller aus der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. So soll festgelegt werden, was überhaupt benötigt und gewünscht wird. Für digitalisierte Zeitungen ist die Auswahl über einen Kalender oder über eine Volltextsuche wichtig. Die Darstellung könnte mittels DFG-Viewer erfolgen und als Portal das  Zentrale Verzeichniss digitalisierter Drucke (zvdd) genutzt werden. Soweit die Zukunftsvision.

Die Erschließung über Volltexte wird doch als sehr wichtig angesehen, auch wenn diese noch viele Probleme mit sich bringt, erläuterte Günter Mühlberger in seiner Präsentation. Die Schwierigkeiten sind oft ähnlich wie bei den Büchern (Zustand der Publikation, alte Schrifttypen, alte Schreibweisen). Daher hat OCR hier gar keinen guten Ruf : „Sie macht Fehler und das auch noch für jeden sichtbar.“ Wobei eben die Frage lautet, lieber fehlerhaft als gar nicht?! Denn so können bereits viele Inhalte gefunden werden, auf die man sonst nie stoßen würde.

Wie wichtig historische Zeitungen sind, machte der Journalist Ernst Elitz deutlich. Handelt es sich doch um lebendige Zeitgeschichte. Gerade als es noch keinen Film gab und auch später, erfährt man durch dieses Medium, wie die zu der Zeit lebenden Menschen über ihren Alltag und nationale und internationale Ereignisse dachten, kann ihre Sprache und politischen Einstellungen nachvollziehen. Auch angehende Journalisten lernen viel für ihre Arbeit daraus. Auf die Frage, welches denn seine Lieblingszeitung wäre, antwortete der Journalist, dass man verschiedene Zeitungen lesen muss, denn um sich eine eigene Meinung zu bilden, benötigt man unterschiedliche Sichtweisen.

Außerdem wurden einige Projekte größerer Bibliotheken vorgestellt, wie die Erstellung der digiPress-Plattform der BSB München und die Sammlung der Deutschen Nationalbibliothek. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur historische Zeitungen eine Herausforderung sind, sondern auch aktuelle Online-Zeitungen einige Probleme bei der Archivierung mit sich bringen, da sie sich dynamisch verändern, Audio- und Videodateien enthalten können. Und wie macht man das überhaupt, als Screenshot oder Textdatei?! Nicht alle Verlage archivieren übrigens ihre Artikel ordentlich. Da sind also immer noch die Bibliotheken sehr gefragt, nicht nur als „Findbuch“.

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Written by lesewolke

12. Juni 2011 um 10:00

Veröffentlicht in Bibliothekartag 2011, Digitale Ressourcen

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  1. […] Haensch, Liane: Bibliothekartag 2011 – Digitalisierung historischer Zeitungen, Lesewolke [Update] Melli: Bibliothekartag 2011 – 4. Tag, Leerleser […]

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