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Unterwegs entdeckt 2013 – Teil 2: Grimms Märchen

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Im Urwald Sababurg

Im Urwald Sababurg

Es war einmal in Nordhessen. Da lebten zwei Brüder die sich für Literatur interessierten und anfingen, Märchen zu sammeln. Über 200 Jahre ist es nun her, als der 1. Band der „Kinder- und Hausmärchen“ (inzwischen Weltdokumentenerbe) erschien. Und weil sich zudem der Todestag von Jakob Grimm zum 150. Mal jährt, ist Grimm-Jahr. Dazu wurde die Ausstellung „Expedition Grimm 2013“ in der documenta-Halle in Kassel eingerichtet. Neben Exponaten wie Erstausgaben und Erinnerungsstücken gibt es auch einen Bereich zum Mitmachen. Hier kann man Rätsel lösen, echte alte Ausgaben mit weißen Handschuhen durchblättern und sich in einem „lebenden Buch“ über Hintergründe und Geschichte ihrer Arbeit informieren.

Außer mit Märchen beschäftigten sich die Brüder mit der deutschen Grammatik, Mythologie und Sagen, arbeiteten als BIBLIOTHEKARE (ja, wirklich) in Kassel und waren Professoren in Göttingen, wo sie als Mitverfasser (Göttinger Sieben) gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und dafür entlassen wurden. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lud später die Brüder nach Berlin ein, wo sie Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurden und an der Universität zu Berlin lehrten.

In Kassel befindet sich außerdem das Brüder Grimm-Museum (Palais Bellevue) mit einer ständigen Ausstellung. Man kann dort u. a. viele Illustrationen der Märchen aus allen Zeiten bestaunen und ebenfalls Zeugnisse aus dem Nachlass von Grimms Erben sehen.

Die Gegend ist wohl nicht ohne Grund eine Märchenheimat. Viele Märchen spielen im Wald. Nördlich von Kassel gibt es den wohl meist fotografierten Wald „Urwald Sababurg“. Hier kann man alte Buchen und Eichen bestaunen, die sicher die Fantasie der Bewohner anregten.

Die Sababurg selbst gilt als das Dornröschenschloß. Einst feierte man hier rauschende Feste, dann wurde es still um die Burg, die langsam überwucherte. Die Burgherren waren zu Kurfürsten aufgestiegen und residierten nun in anderen Schlössern. Heute ist hier ein Hotel mit Restaurant. Wir sahen im Gewölbekeller der Sababurg Carlo Ghirardelli und Stefan Becker vom Spielraum-Theater als Brüder Grimm in dem Lesetheaterstück „Die Grimmschen Märchen von Liebe und Erotik“, informativ, lustig und sehr unterhaltsam zugleich. Und wer es noch nicht wusste, dem wurde deutlich, dass die Grimms nicht einfach nur sammelten, sondern die Märchen auch für ein bürgerliches Publikum und kindgerecht aufbereiteten. Was so im Volk erzählt wurde, war nicht immer jugendfrei. Auch kamen die Märchen durchaus nicht ausschließlich aus deutschen Landen. Einige davon erzählte man sich in ähnlicher Form auch in Italien oder Frankreich.

Wer einem echten Wolf begegnen möchte, geht einfach in den Tierpark Sababurg mit den weitläufigen Gehegen. Nun, die Wölfe fressen sicher nicht aus der Hand, die Damhirsche allerdings schon. Auf der Deutschen Märchenstraße liegt auch Trendelburg. Dort gibt es den Rapunzelturm mit dem Rapunzelzopf.

Richtige Prinzessinnen und Prinzen lebten im Schloss Wilhelmshöhe nahe Kassel und spazierten einst durch den schönen Bergpark. Landgraf Wilhelm IX. von Hessen Kassel, der Mittelalterfan war, ließ sich sogar im Park eine hübsche Burgruine, die Löwenburg, bauen.

Update: 18.12.2013: Mein Film über die Heimat von Dornröschen, Rotkäppchen und Rapunzel ist jetzt online (4:39 min mit dt. und engl. Untertitel).

Update: 24.07.2015: Laut einer Pressemitteilung der Universität Kassel sind die Kinder- und Hausmärchen der 1. Auflage (1812/15) und 2. Auflage (1819/22) nun online verfügbar.

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Written by lesewolke

20. Juni 2013 um 13:30

Veröffentlicht in Unterwegs entdeckt

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