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Offene Metriken für wissenschaftliche Daten #bibtag16

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In seiner Einleitung erklärte Daniel Beucke einiges zu offenen Metriken (Präsentation). Bekannt sind diese auch unter dem Begriff Altmetrics. Wobei „alt“ hier für alternativ steht. Die bisherigen Messungen basieren auf dem Impact Factor der Zeitschrift, in welcher der Wissenschaftler es geschafft hat, seinen Artikel zu platzieren. Dieser Faktor sagt also eigentlich etwas über die Beliebtheit der Zeitschrift aus und nichts über die konkrete Forschungsleistung des Artikelautors. Bekannterweise gibt es zahlreiche weitere Kritikpunkte am Journal Impact Factor (JIF). Neuerdings beschäftigen sich daher einige kommerzielle (Altmetric, Plum, Impactstory) und freie (Crossref, Plos, Lagotto) Anbieter mit Altmetrics, also Statistiken zur Verbreitung von Artikeln über soziale Netzwerke und Downloads. Arbeitsgruppen bei NISO und COAR versuchen Standards festzulegen, was und wie gezählt wird.

NISO veröffentlichte beispielsweise dazu den Entwurf Altmetrics Data Quality Code of Conduct, den man noch bis zum 31. März 2016 kommentieren kann, wie wir von Martin Fenner (Präsentation) dem 2. Redner dieses Vortragsblocks erfuhren. Er arbeitet mit an Lagotto, einer Software die Open Source sein soll, bei die Ermittlung der Werte transparent ist und sich bei der Messung ebenso wie Altmetric vor allem auf DOIs konzentriert. Stephan Büttgen von EBSCO stellte Plum Analytics vor. Dabei werden verschiedenste Veröffentlichungsarten und Identifikatoren herangezogen.

Gernot Deinzer von der Universitätsbibiothek Regensburg (Präsentation) sah sich die Downloads vom Repositorium der Hochschule an und stellte fest, dass vor allem Hochschulschriften heruntergeladen werden, für Zweitpublikationen gilt dies deutlich weniger. Meist gelangen die Leser über andere Universitätsseiten oder Wikipedia zu den Veröffentlichungen, eher selten über den Bibliothekskatalog. Interessant könnte auch der EZB-Linkingdienst werden, um darüber eine Weiterleitung zu Artikeln zu zählen.

In der abschließenden Diskussion wurden Altmetrics eher als zusätzliche Messung und nicht als Alternative zum JIF gesehen. Die ermittelten Zahlen sollten angeboten werden. Eine Interpretation muss den Forschenden selbst überlassen werden. Obwohl diese ähnlich problematisch ist, wie beim JIF. Aufmerksamkeit erregen bedeutet nicht immer, dass Ergebnisse als positiv angesehen werden. Gerade umstrittene Thesen können viele Zitationen und Verlinkungen nach sich ziehen. Zur Zeit können zudem nur Portale in die Messung einbezogen werden, die eine API-Schnittstelle haben. Das gilt z. B. nicht für Researchgate, einem gern genutzten Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Weiterhin benötigen Dokumente, die in die Messung eingehen, einen Identifier, idealerweise eine DOI. Außerdem wurde eine größere Verbreitung der Anzeige von Nutzungsstatistiken in Repositorien gewünscht, bei Zweitpublikationen am liebsten zusätzlich diejenigen vom Original. Bewertungen der Leser (z.B. Sterne) für Beiträge könnten eine weitere Form der Messung sein. Allerdings gelten diese als etwas abschreckend für Autoren.

Written by lesewolke

21. März 2016 um 10:00

Veröffentlicht in Bibliothekskongress 2016

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3 Antworten

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  1. Bei meinen Notizen zu den Vorträgen habe ich mir noch zwei weitere Punkte notiert, welche ich hier versuche frei etwas weiter auszuführen:

    a) Artikel-basierte Betrachtungen vs. Zahlen zu einer Zeitschrift: Wie bereits ausgeführt gibt es bzgl. dem Journal Impact Factor verschiedene Kritikpunkte, aber jegliche Zahlen zu einer Zeitschrift lassen nur bedingt Aussagen zu einem konkreten Artikel zu. Dazu habe ich auch noch einen interessanten Blog-Beitrag gefunden: Stuart Cantrill (05.12.2015): Nature Chemistrys 2014 impact factor citation distribution http://blogs.nature.com/thescepticalchymist/2015/12/nature-chemistrys-2014-impact-factor-citation-distribution.html . Es wird dort vorgerechnet, dass gerade einmal 26% aller betrachteten Artikel mindestens so viele Zitationen haben, wie der Impact Faktor der Zeitschrift erwarten liesse!

    b) Wissenschaftlicher Impakt ist multi-dimensional: Neben Zitationen sollten ebenfalls die Nutzung (Download-, Aufrufzahlen) oder alternative Metriken = Altmetrics (z.B. Erwähnungen in sozialen Medien) betrachtet werden. Wahrscheinlich ist es am Besten möglichst eine Vielzahl von verschiedenen Zahlen dazu anzubieten. Der wissenschaftliche Impakt kann wohl nicht allgemeingültig in einer einzigen Zahl berechnet werden.

    Gefällt 1 Person

    philippzumstein

    21. März 2016 at 20:54

  2. […] Liane: Offene Metriken für wissenschaftliche Daten #bibtag16, […]

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