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Autorenidentifikationssysteme beim #bibtag16

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Katalogisierer kennen das Problem: die eindeutige Zuordnung von Publikationen zu einer bestimmten Autorin oder einem Autor in der Normdatei. Schwierig wird es bei der Abkürzung von Vornamen, dem Wechsel der Einrichtung oder gar Namensänderungen (z.B. durch Heirat, Scheidung). Die Open Researcher Contributor Identification Initiative rief mit ORCID (= Open Researcher and Contributor ID) eine internationale Plattform ins Leben, wo sich jeder Forschende kostenfrei registrieren kann, einen Identifikator erhält und seine Publikationen verknüpfen kann. Josh Brown, Regionaler Direktor für Europa, erklärte, dass es bereits viele Partner gibt und inzwischen auch Zeitschriften bei der Artikeleinreichung eine ORCID verlangen. Übrigens bietet die Plattform auch Privateinstellungen (public, limited, private) für die eingebenen Daten.

Heinz Pampel berichtete über die Pläne von ORCID DE. Die Europäische Kommission, Wissenschaftsorganisationen und der Wissenschaftsrat empfehlen die Nutzung der ORCID. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft startet deshalb ab dem 1.5.2016 ein Projekt zur Etablierung in Deutschland. Neben den Projektpartnern Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Deutsche Nationalbibliothek und Universitätsbibliothek Bielefeld konnten einige Hochschulen und Institutionen als Kooperationspartner gewonnen werden. Es soll eine zentrale Anlaufstelle mit Ansprechpartnern, Webseite, Webinare, Workshops usw. geschaffen und geprüft werden, ob ein nationales Konsortium sinnvoll wäre. Weitere Informationen zum Vorhaben enthalten die Präsentationsfolien, die Projektbeschreibung sowie der frei zugängliche Artikel „ORCID – Offener Standard zur Vernetzung von Forschenden“ von Heinz Pampel und Martin Fenner.

Hartmann, Sarah: ORCID und GND, Folie 7

Hartmann, Sarah: ORCID und GND, Folie 7

Sarah Hartmann von der Deutschen Nationalbibliothek erläuterte, welche Überlegungen es innerhalb des Projektes ORCID DE zur Verknüpfung der ORCID mit der GND (Gemeinsame Normdatei) gibt. So könnte beispielsweise automatisch ein Eintrag in der GND angelegt werden, sobald es eine neue ORCID gibt (siehe Folie). Beim Matching der Daten müssten neben den Personendaten auch zugehörige Publikationen herangezogen werden. Dabei würden eventuell Veröffentlichungen aus ORCID, BASE, dem DNB-Bestand sowie weiteren Bibliotheksbeständen eine Rolle spielen.

Doch wie bringt man die Hochschulangehörigen dazu, sich für ORCID zu entscheiden. Torsten Reimer vom Imperial College London, einem institutionellen Mitglied bei ORCID, hatte eine radikale Methode parat (Präsentationsfolien). Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seiner Einrichtung wurden darüber informiert, dass für sie eine ORCID angelegt wird und konnten bis zu einen festgesetzten Termin widersprechen. Von 4.000 Leuten hatten 25 Forschende Vorbehalte, davon nur ein einziger wegen der Privatsphäre. Die Verlinkung der ORCID mit dem Universitätssystem musste dann allerdings von den Forschenden selbst erfolgen. Die Aktion wurde über Flyer, Departments, die Bibliothek und Social Media verbreitet und von Universitätsleitung und Rechtsabteilung unterstützt. Wichtig ist es, per Mail wirklich nur kurz und knapp zu kommunizieren – vier Absätze sind schon zu viel. Da auch regelmäßig neue Forschende dazu kommen, reicht eine einmalige Aktion nicht, so die Erkenntnisse dieses Versuchs.

Martin Fenner stellte schließlich in seinem Beitrag fest, dass die Software vieler Repositorien bereits ein Datenfeld zum Eintrag des ORCID enthält, wenn es auch aktuell nicht überall angezeigt wird. Mit einer zunehmenden Verbreitung und Bekanntheit dieses Identifiers wird die Sichtbarkeit zunehmen.

Update 26.5.16: Alle Präsentationsfolien wurden auf der Internetseite der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI) veröffentlicht.

Written by lesewolke

21. März 2016 um 10:30

Veröffentlicht in Bibliothekskongress 2016

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