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Mit Zahlen steuern – #bibtag19


Um die Entwicklung von eUsage, einem Modul der geplanten Bibliothekssoftware Folio drehte es sich im ersten Vortrag (Abstract). Dabei sollten die gewünschten Counter-Statistiken der lizenzierten E-Medien bei den Verlagen automatisch heruntergeladen, und dann über das Modul in den Formaten xml, JSON oder csv angeboten werden.

COUNTER Code of Practice Release 5 in der Praxis / Irene Barbers. Bibliothekskongress 2019, S. 6

Irene Barbers erklärte in ihrem Vortrag die Counter-Statistiken und zwar insbesondere die Unterschiede von Counter Release 5 zur Version 4. Die Folien sind bereits online. Die PDF und HTML-Nutzung wird nicht mehr getrennt ausgegeben, da es hier oft zu einer doppelten Zählung kam. Es wird zwischen Investigations (also auch Inhaltsverzeichnisse, Abstracts usw.) und Requests (Volltexte) unterschieden. Darüber hinaus wird zusätzlich eine Nutzung gezählt, auch wenn eine Person in der Session mehrere Kapitel eines E-Books anklickt. Das soll die Zahlen realistischer machen. Bisher haben JSTOR und J-STAGE umgestellt. Weitere Anbieter werden sicher folgen.

Für Bibliothekare sind diese Metriken beispielsweise interessant, um zu entscheiden, welche Lizenzen weiterlaufen und welche storniert werden können. Die Universitätsbibliothek Kassel berechnet beispielsweise den Wert für eine Nutzung (Abstract). Ist diese angesichts der Lizenzkosten derzeit teurer als 100 Euro, wird eine Abbestellung erwogen. Die Lehrstühle können ihr Veto einlegen, müssten dann aber selbst die Kosten übernehmen. Mit dieser Methode sollen Mittel für neue Lizenzierungen frei werden, die nach 2 Kalenderjahren ebenfalls auf ihren Kosten-Nutzen evaluiert werden. Nun klingt das zwar sehr vernünftig, hat aber den Haken, dass Abb- und Neubestellungen eher kleinere Verlage treffen, denn es gibt die großen, fächerübergreifenden Verträge, bei denen keine Einzelentscheidungen möglich sind und die eine großen Teil des jährlichen Erwerbungsetats ausmachen. Die gedruckten Zeitschriften sind mangels statistischer Nutzungserfassung (Präsenzbestand) von der Evaluation ausgenommen.

Interessieren sich Wissenschaftler eigentlich für Metriken? Damit beschäftigt sich gerade eine Studie der SUB Göttingen (Abstract). Zumindest den Journal Impact Factor kennen viele Forschende, auch wenn sie nicht genau wissen, wie die Zahlen zu stande kommen. Zeitschriften mit hohem JIF sind angesagt, weil die Publikation dort gefordert wird und Prestige verspricht. Altmetrics wird dageben nicht vertraut, seitens der Wissenschaftler zeigen sie eher Popularität an, sind manipularbar und schlecht vergleichbar. Bei den Zahlen zu Zitationen wurde der Wunsch geäußert, dass man auch sieht, wie oft positiv oder negativ zitiert wurde. Die Empfehlung hinsichtlich der Metriken lautete, dass es Forschende unbedingt lernen und verstehen sollten, was hinter den Metriken steckt. Obwohl das Wort „Metriken“ im Weiterbildungsangebot kein Zugpferd ist. Darüber hinaus kann das Interesse am Thema auch dadurch geweckt werden, dass beispielsweise die Publikationsserver Metriken anzeigen.

Im Wikiversum wirken“ (Folien) hatte eher indirekt mit Statistiken zu tun. Bei einem Serverumzug der Online-Publikationen der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) gab es Nachfragen zu fehlerhaften Links in Wikipedia. Tatsächlich kam und kommt über die Hälfte der Zugriffe besonders auf bildungshistorische Schriften eben aus der Online-Enzyklopädie. Das weckte das Interesse. Die Links einer bestimmten Institution zu finden ist dort trotzdem nicht einfach, da es unterschiedliche Darstellungsformen bei Links gibt. In den Folien wird dies gut dargestellt. Die Online-Dokumente wurden jedenfalls gefunden und zitiert. Die Mitarbeiter nahmen dies zum Anlaß, Wikipedia in einem Workshop besser zu verstehen und eventuell auch mal den ein oder anderen falschen Link zu ihren Dokumenten zu korrigieren. Persistente Identifier sind auch für die Zitation in Wikipedia nützlich.

Written by lesewolke

28. März 2019 um 08:45