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Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg 2017

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Der 6. Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg fand am 11. März 2017 in Cottbus statt. Das Motto der Fachtagung lautete „Offenheit und Integration : Menschen und Bibliotheken in Bewegung“. Zu Beginn machten die Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Münch, der Vizepräsident der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr.-Ing. Koziol, und Berndt Weise als Vertreter der Stadt Cottbus in ihren Grußworten auf die Bedeutung der Bibliotheken aufmerksam.

Eröffnungsvortrag von Thomas Feibel

Thomas Feibel

Sehr unterhaltsam war der Eröffnungsvortrag des Buchautors Thomas Feibel. Der Autor, Journalist, Medienexperte und Preisträger der Karl-Preusker-Medaille 2014 autete sich als „schlechtester Auszubildender aller Zeiten“ in der Bibliothek und hatte einige lustige Anekdoten aus dieser Zeit auf Lager. Und auch wenn er wohl nicht das gelernt hat, was man sich wünschte, nahm er viel aus dieser Phase für sein weiteres Leben mit. Passend zum Thema „Offenheit und Integration“ verwies Thomas Feibel darauf, dass Bibliotheken sich kümmern und auch ein Anlaufpunkt für Menschen sind, die aus anderen Ländern hierher kommen und auf der Suche nach Informationen und der Überwindung von Sprachbarrieren sind.

Minute madness

Minute madness

Um die Auswahl der zu besuchenden Vorträge zu erleichtern, fand eine Minute Madness statt. Alle Referentinnen und Referenten hatte 90 Sekunden Zeit, um für ihren Vortrag zu werben. Manche hatten sich für diese eineinhalb Minuten viel einfallen lassen.

Dr. Frank Seeliger von der TH Wildau gab den Startschuss für den Innovationspreis für Bibliotheken der Länder Berlin und Brandenburg. Bis zum 30. Juni 2017 können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Brandenburger & Berliner Bibliotheken mit ihrer Projektidee um den mit 10.000 Euro dotierten Preis bewerben. Alle Informationen dazu befinden sich auf der Internetseite der Berlin-Brandenburgischen Stiftung für Bibliotheksforschung e.V.

Vortrag von Silvia Gliem

Vortrag von Silvia Gliem

Im 1. Vortragsblock hatte man die Wahl zwischen drei Vorträgen. So lauschte ich überwiegend Frau Gliem von der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie möchte die Kundenkontaktmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, kurz KuKoMAs, in Bibliotheken erforschen. Wie sieht das Spannungsfeld zwischen Kunden- und Unternehmensinteressen aus, und wie kommen diese wichtigen Schlüsselfiguren damit klar. Ergebnisse konnten wir hier noch nicht erfahren, aber Frau Gliem stellte dem Publikum schon mal ein paar Fragen zu ihren emotionalen Empfindungen der letzten Arbeitswoche. Bibliotheken, die gern mal ein Stimmungsbild ihres Teams, welches den Kontakt zu den Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern pflegt, erkunden möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei Frau Gliem zu melden. Die Umfrage erfolgt über einen Fragebogen.

Buffet

Buffet

In der Mittagspause war natürlich das kostenfreie Buffet der Anlaufpunkt Nummer 1. Das Studentenwerk hatte sich viel Mühe gegeben, um die Gäste zu verwöhnen.

Nach der Pause fiel die Wahl schwer. Aber der kleine Fisch mit der Haifischflosse war einfach zu verlockend. Prof. Dr. Hobohm von der Fachhochschule Potsdam hatte uns schon beim Empfang mit der Frage nach einem Overheadprojektor, manchen noch unter dem Begriff Polylux bekannt, überrascht. Doch die Hörsäle verfügten auch über diese analoge Technik. Inhaltlich drehte es sich um die deutsche Übersetzung des Buches „Expect More : Demanding Better Libraries for Today‘s Complex World“ von Richard David Lankes. Hier geht es darum, den Fokus zunehmend mehr auf die Menschen und nicht auf den Bestand zu legen, denn „unsere Communities sind unser Bestand“. In einem Video kam dann der amerikanische Autor selbst zu Wort.

Vortrag Marcus Heinrich

Vortrag Marcus Heinrich

Der nächste Vortrag in diesem Block befasste sich mit dem Forschungsdatenmanagement. Marcus Heinrich von der Hochschulbibliothek der TH Brandenburg hatte dazu eine Umfrage an seiner Hochschule durchgeführt und stellte die Ergebnisse vor. Eine einheitliche Archivierung oder gar Veröffentlichung war demnach noch kein Thema. An die Bibliothek dachten die Forscher in diesem Zusammenhang eher nicht. Herr Heinrich sieht es dennoch als Zukunftsthema. So könnten sich Bibliothekare schon in der Antragsphase hinsichtlich der Beratung zu Metadaten und Tools einbringen und sich nach Projektende bei um die Archivierung der Publikationen und Forschungsdaten kümmern.

Im letzten Vortrag des 2. Blockes stellte Frau Quitzsch die Funktionen und Recherchemöglichkeiten des KOBV-Portals vor. In einer praktischen Vorführung gab es Tipps für eine gute Suche und auch Hinweise auf die Schwächen es Programms, wie die Sortierung.

In der Kaffeepause wurde dann munter weiter diskutiert. Und der Kuchen war natürlich auch sehr lecker.

World Café

World Café

Beim letzten Teil des Programms musste man sich dann zwischen einem Vortragsblock zur Arbeit mit Geflüchteten (sowohl Nutzerinnen und Nutzern als auch Berufskolleginnen und -kollegen), zwei Worldcafés und zwei Bibliotheksführungen entscheiden. Das Worldcafé des Arbeitskreises der One Person Librarians (OPLs) hatte für die Vielzahl dieser in Berlin und Brandenburg vorhanden Bibliotheken Karten angefertigt, die nun munter sortiert werden konnten.

Auch die Bibliotheksführungen lockten. Das IKMZ-Gebäude sorgte für tolle Fotomotive. Es ist das Wahrzeichen des Campus der Brandenburgischen Technischen Universität. Das restaurierte Gebäude der ehemaligen Tuchfabrik, in der sich heute die Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus befindet, war ebenfalls schön anzuschauen. Die Kolleginnen hatten viel zu erzählen von früheren Zeiten bis zur heutigen Entwicklung als Lernzentrum, zum auch die Volkshochschule zählt. Besondere Begeisterung riefen die gemütlichen roten Liegen im Lesebereich, der Dschungel für die Kinderliteratur und der Schulungsraum mit den einklappbaren PC hervor.

Einen Eindruck von der Veranstaltung vermittelt das Storify der Tweets. In der Lausitzer Rundschau erschien eine Fotostrecke.

Update: Der Tag in zwei Minuten – Impressionen vom 6. Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg bei Youtube.

Fotos von den Bibliotheksführungen

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16. März 2017 at 08:50

Unterwegs entdeckt – ein exotischer Bibliotheksbau in der Karibik

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schoelcher-bibliothek-titelEine Bibliothek, welche als Sehenswürdigkeit angepriesen wird, wenn man sich mit den kleinen Antillen und speziell der Insel Martinique befasst (Überseedepartement von Frankreich), ist die Bibliothéque Schœlcher.

Um das exotische Bauwerk, welches so gar nicht zu der restlichen Architektur von Fort-de-France passen will, ranken sich einige Geschichten. So wird in „Karibik, Kleine Antillen“ (1), weiteren Reiseführern und auf einigen Internetseiten behauptet, dass der Bau als Karibischer Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1889 zu sehen war, dann abgebaut und im Hauptort von Martinique wieder aufgebaut wurde. Wikipedia (2) meint, das Gebäude entstand 1886/87 im Pariser Jardin des Tuilleries und gelangte dann nach Martinique. Belege scheint es dafür nicht zu geben. Die Internetseite der Bibliothek (3) bestätigt auch keine dieser Theorien. Nur in einem sind sich alle einig: Pierre-Henri Picq (1833–1911) war der Architekt des Bauwerkes. Die Schœlcher-Bibliothek (3) erwähnt Lucie Briere de l’Isle, die Ehefrau von Pierre-Henri Picq. Sie stammte von Martinique und hatte gute Kontakte, weshalb ihr Mann den Auftrag für den hiesigen Bibliotheksbau bekommen haben soll. Picq gilt auch als Architekt der Kathedrale von Fort-de-France (3).

Die Banque Numérique du Patrimoine Martinique, das Portal für das Kulturerbe Martiniques, geht näher auf die Geschichte der Bibliothek ein (4). Demnach versprach Victor Schœlcher (1804–1893) seine private Sammlung von 9.000 Büchern und 250 Musikalien zu spenden, wenn in der Kolonie eine öffentliche Bibliothek gebaut würde. Das geschah, und er hielt sein Versprechen. Viktor Schœlcher wird heute noch in Martinique und Guadeloupe verehrt, weil er dort die Sklaverei abschaffte.

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Auf der Weltausstellung in Paris 1889 war allerdings tatsächlich ein der Bibliothek sehr ähnliches Bauwerk zu sehen, nämlich das Maison de la belle Jardiniere (5). Dieses Gebäude wurde wohl wirklich abgebaut und dann in Santiago de Chile als Museo Artequin genutzt. Einige Quellen schreiben es ebenfalls Picq zu, beispielsweise das Artequin selbst (6) oder die Schœlcher-Bibliothek (3). Eine andere Quelle erwähnt Moisant, Laurent, Savey als Architekten des Chile-Pavillons (7).

Update 13.02.2017: Die Spur führt nun doch nach Paris.

Eine Illustration aus der Zeitschrift „La construction moderne“ (leider ohne Jahres- und Heftangabe), brachte mich dann auf die Idee, an der Stelle weiterzuforschen. Und tatsächlich, Mitte des Jahres 1887 wurde in dieser Zeitschrift eine dreiteilige Artikelreihe mit dem Titel „La Bibliothéque Schoelcher“ veröffentlicht und inzwischen digitalisiert. So hieß es in der Ausgabe vom 11. Juni 1887 (8), dass der Pavillon, dessen Architekt Mr. H. Picq ist, in diesem Moment am Place du Carrousel an der Stelle der ehemaligen Tuileries in Paris zu sehen wäre. Bauunternehmer waren die Moreau Brüder. Der Beitrag bestätigt, dass es darum ging, eine Bibliothek für dem Bestand zu finden, den Victor Schoelcher angeboten hatte. Einen Holzbau im Stile der bisherigen Gebäude in Fort-de-France wollte man wegen der Erdbeben- und Brandgefahr für diesen Schatz nicht bauen. Der Rat des Departments Martinique bewilligte für einen Neubau einstimmig 300.000 Francs.

In der nächsten Ausgabe (9) wird berichtet, dass die provisorische Montage der Bibliothek in Paris beschlossen wurde und der Staat für diesen Zweck die Tuilerien angeboten hätte. Teil 3 der Artikelreihe (10) lobte die Fertigungsmöglichkeiten solcher Metallbaukonstruktionen fernab vom Zielort. Wann der Abtransport nach Martinique erfolgte, und ob der Pavillon zur Zeit der Weltausstellung 1889 noch in Paris oder bereits in Fort-de-France stand, habe ich bisher nicht herausgefunden.

Doch zurück zur Schœlcher-Bibliothek, die sicher nicht nur als spektakuläres Bauwerk wahrgenommen werden will, sondern sich als öffentliche Bibliothek um Leseförderung kümmert, Veranstaltungen & Ausstellungen anbietet und sich für den Zugang zu Informationen einsetzt. Darüber hinaus erfüllt sie Archivierungsaufgaben, sammelt historischer Dokumente und Literatur rund um Martinique und Victor Schœlcher sowie Manuskripte und historische Postkarten aus dem 17.-19. Jahrhundert (4).

Quellen:

(1) Brockmann, Heidrun ; Quack, Ulrich: Karibik, Kleine Antillen. 10. Aufl. Dormagen : Iwanowski, 2015

(2) Bibliothéque Schoelcher. – fr.wikipedia.org

(3) Pierre-Henri Picq. – Bibliotheque Schoelcher

(4) The Schœlcher library. – Banque Numérique des Patrimoines Martiniquais

(5) Historia de Artequin. – Artequin.cl

(6) Pabellón París. – Artequin.cl

(7) Exposition Universelle de Paris 1889: Chili. – Worldfair.info

(8) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 24, S. 417, online verfügbar

(9) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 25, S. 426, online verfügbar

(10) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 26, S. 438, online verfügbar

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8. Februar 2017 at 09:00

Mit dem BIB in Wien

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Die ersten vier Tage im September verbrachte ich mit der Landesgruppe Brandenburg des BIB e.V. in Wien. Zum Bloglesen blieb deshalb natürlich keine Zeit. Aber ich hoffe, mein Erlebnisbericht entschädigt für diesen Ausfall. 😉 Nebenbei lernten wir so einige österreichische Wörter.

00-Prunksaal_TitelbildEin umfangreiches Programm erwartete uns bei unserem Besuch in sechs großen Wiener Bibliotheken. Unsere erste Station war der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Bücherschränke aus Nussholz, die barocken Prunkgloben, die zahlreichen Marmorstandbilder, die Deckengemälde und die enorme Größe des Saales (77,7 Meter lang, 14,2 Meter breit und 19,6 Meter hoch) versetzen die Besucher in Ehrfurcht.  Kaiser Karl VI. ließ das barocke Bauwerk von 1723 bis 1726 einst für seine Hofbibliothek errichten. Die Statue in der Mitte des Saales soll den Bauherrn darstellen, wenn auch deutlich geschönt. Wir durften einen Blick in zwei uralte Werke werfen. Das Buch „Polygraphiae“ aus dem Jahr 1518 wurde von Johannes Trithemius verfasst, einem Universalgelehrten und Klostervorsteher. Es ist eine Sammlung von Geheimschriften, die teilweise auch in späteren Jahrhunderten angewandt wurden (Digitalisat bei Google Books). „Serpentum et draconum historiae libri duo“ (zwei Bücher der Geschichte der Drachen und Schlangen) von Ulisse Adrovandi aus dem Jahr 1640 enthielt viele, für seine Zeit sicher wissenschaftliche, für uns aber eher kuriose Beschreibungen und Illustrationen (Digitalisat bei AMS Historica und Google Books). Apropos Digitalisate: In Zusammenarbeit mit Google werden auch die gemeinfreien Werke der Österreichischen Nationalbibliothek in einem deutschen Digitalisierungszentrum nach und nach gescannt, soweit es ihr physischer Zustand zulässt. Die 200.000 Bücher im Prunksaal dienen auch sonst nicht nur dekorativen Zwecken, sondern werden auch genutzt. Einen räumlichen Eindruck des Saales bietet die virtuelle Ansicht. Außerdem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen. Zur Zeit ist es Der ewige Kaiser, denn am 21. November jährt sich der 100. Todestag des einstigen Monarchen.

Gleich im Anschluss besuchten wir die Wienbibliothek im Rathaus. Sie zählt zu den drei größten wissenschaftlichen Bibliotheken Wiens und sammelt Literatur und Materialien zu der Stadt Wien. Erstmals erwähnt wurde die Bibliothek 1466, denn zu diesem Zeitpunkt musste laut Rechnung ein Schloss „in der librej“ repariert werden. Neben 600.000 Bänden werden auch Handschriften, Plakate, Musikhandschriften, Telegramme und Nachlässe gesammelt. Der Nachlass des Opernkenners und Dramaturgen Marcel Prawy befand sich in unzähligen Plastiktüten (auf österreichisch: Plastiksackerl), siehe dazu auch den netten Beitrag bei Zeit online. Diese Aufbewahrungsmethode sei jedoch nicht zur Nachahmung empfohlen, wie uns Frau Bargmann in ihrem Vortrag erklärte. Für ihre Gäste aus dem Bundesland Brandenburg hatte sie in der Präsentation der vielen Dokumentarten auch Beispiele aus unserer Gegend heraus gesucht. Jeden Monat stellt die Bibliothek Objekte aus ihrer Sammlung zu einem Thema vor. Im August 2016 drehte es sich um Ellen Müller-Preis, die bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles ganz überraschend eine Goldmedaille im Fechten gewann. Bei den digitalen Sammlungen sind besonders die Wiener Adressbücher bei Familienforschern beliebt. Der Lesesaal im historischen Gebäude war sehenswert. Danach schauten wir uns die aktuelle Ausstellung „Tafelkratzer, Tintenpatzer. Schulgeschichten aus Wien“ an. Während die Schulmöbel inspiriert vom „Fliegenden Klassenzimmer“ an der Decke hängen, zeigen die Vitrinen Bücher, Schreibhefte, Spielzeug und allerlei Utensilien zum Schreiben und Lesen lernen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Universitätsbibliothek Wien. Sie wurde bereits 1365 gegründet und gilt damit als älteste Universitätsbibliothek im deutschsprachigen Raum (mehr zur Geschichte auf der Internetseite der Bibliothek). Auch hier gibt es einen altehrwürdigen Lesesaal, den wir natürlich bestaunten. Die Bibliothek wird auch gern von Filmteams gebucht, besonders für Krimis. Vom Lesesaal führt eine Tür direkt in das mehrstöckige Magazin (österr.: Depot). Hier wird es demnächst eine größere Umbauaktion geben, denn der Brandschutz kann sonst in den niedrigen Räumen, deren Etagen nicht abgeschlossen sind, nicht gewährleistet werden. Das bedeutet natürlich, dass viele Bücher in ein Außendepot umziehen (österr.: übersiedeln) müssen. Neben den sieben Millionen gedruckten Büchern bietet die Bibliothek eine umfangreiche Auswahl von E-Books, E-Journals und Datenbanken (Zahlen: Wir über uns) und hat zahlreiche Angebote zur Unterstützung von Forschung und Lehre. In Österreich werden viele Entscheidungen für wissenschaftliche Bibliotheken zentral vom Österreichischen Bibliotheksverbund (ob vsg) getroffen. Im Moment ist der Umstieg auf das System Alma von Ex Libris im Gange. Das bedeutet viel Aufwand in den einzelnen Einrichtungen.

Die Büchereien Wien decken als öffentliche Bibliothek die literarischen Bedürfnisse der Bevölkerung ab. Die moderne Hauptstelle am Gürtel wurde 2003 eröffnet und liegt nahe des 15. Wiener Gemeindebezirks mit einem hohen Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund. So engagiert sich die Bibliothek sehr für Interkulturalität, bietet eine große Auswahl fremdsprachiger Medien, spezielle Angebote für Deutschlernende und kooperiert mit Veranstaltungsangeboten wie ”Mama lernt deutsch”. Bekannt sind die Büchereien Wien auch für ihre unterhaltsame Facebookseite.

Am späten Nachmittag besuchten wir noch die Bibliothek der Akademie der bildenden Künste in Wien, welche sich im Mezzanin befindet (Zwischengeschoss zwischen Parterre und dem ersten Stock). 1773 fand die Bibliothek der ältesten Kunsthochschule Mitteleuropas ihre erste Erwähnung in einem Satzungsentwurf. Nach Plänen von Theophil Hansen wurde das heutige Akademiegebäude 1877 fertiggestellt und auch von der Bibliothek bezogen. Im langgestreckten Lesesaal ist das Gestaltungskonzept des Architekten bis heute erhalten. Zu der Zeit waren bemalte Decken, die Holzintarsien imitierten, in Mode. Trotz des Charmes vergangener Zeiten kämpft die Bibliothek mit ganz praktischen Platz- und klimatischen Problemen. So manche Ledereinbände leiden unter Austrocknung. Demnächst ist eine Restaurierung der schönen Bibliotheksräume geplant. Bibliotheksbestandserhaltende und raumklimatische Aspekte stehen dabei allerdings weniger auf dem Programm. Zum Abschluss erhielten wir von der Bibliotheksleiterin noch den reich illustrierten Band „Theophil Hansen und die Bibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien“. Neben Fotos und architektonischen Entwürfen findet sich hier auch eine Bibliotheksordnung von 1850 (S. 27), die unter anderem vorschreibt „Das Pausen wird nur gegen besondere von dem Bibliotheks-Vorstande in jedem einzelnen Falle einzuholende Erlaubnis gestattet, wobei jedoch der Gebrauch von Wachs und getränkten Papieren ausgeschlossen ist.“ Ja, es gab mal Zeiten, wo man Abbildungen nicht einscannen oder kopieren konnte. Einen Beitrag von Beatrix Bastl zu den aktuellen Angeboten der Akademiebibliothek findet man auf dem Publikationsserver e-LiS.

Den Samstagvormittag widmeten wir dem Gelände und der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 2013 befindet sich die Universität auf dem modernen Campus, der von mehreren Architekturbüros gestaltet wurde. Auffällig ist das orange Gebäude D3 mit den Holzlamellen aus Weißtanne. Wir besuchten auch das rostfarbene Teachingcenter TC/D1 mit der Mensa und das schwarz-weiße Gebäude D2, welches auch Räume enthält, die komplett schwarz sind. Besonders neugierig waren wir natürlich auf die Bibliothek = Library and Learning Center (LC). Schon von außen beeindruckend, zeigt sich im Foyer ein futuristischer Bau, welcher an ein Ufo erinnert. Die schicke, neue Bibliothek hat bequeme Sitzecken und einen Lesesaal mit toller Aussicht auf den Prater. Die WU-Bibliothek ist die größte wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek im deutschsprachigen Raum und bietet neben 634.000 gedruckten Büchern auch viele elektronische Ressourcen (mehr zum Bestand). Die Online-Tutorials des Projektes Fit4Research helfen Bibliotheksbenutzern, sich im Informationsdschungel zu orientieren. Die Anleitungen stehen in deutscher und englischer Sprache unter der CC-Lizenz By 4.0 zur weiteren Verwendung zur Verfügung.

Wir bedanken uns natürlich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die uns bei interessanten und unterhaltsamen Führungen, Vorträgen und Gesprächen ihre Bibliotheken und Angebote vorstellten.

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7. September 2016 at 08:00

Besuch beim RBB in Berlin

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rbb-10-studioAm 20. April 2016 besuchte unsere BIB-Landesgruppe Brandenburg den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) an seinem Standort in Berlin. Auch für Radio- und Fernsehsendungen benötigt man viel Material und muss nach gesicherten Information suchen. Das interessierte uns besonders und daher war unsere erste Station der Informations- und Rechercheservice des Senders. 15 Leute sind hier dafür zuständig, alles zu besorgen, was von den Redakteuren gewünscht wird. Das Aufgabenfeld ist so vielfältig wie die Informationsmittel und Sammlungen, die dafür zur Verfügung stehen. Es können alte Film- und Tondokumente bestellt und aus den Archiven geholt werden. Musik und Geräusche werden gesucht und mehr und mehr digital angeboten. Ein umfangreiches Zeitungsartikelarchiv befindet sich im Haus. Die Recherche in Datenbanken, im Internet und sozialen Netzwerken gehört ebenfalls dazu. Das Team unterstützt die Produktion mit einem Pressespiegel, Informations- und Themensammlungen für anstehende Ereignisse und stellt auch schon mal einen Mitarbeiter dem Redakteur zur Seite. Eine Musikberatung wird ebenfalls angeboten.

Weiter ging es ins Studio von RBB aktuell und der Abendschau. Auch wenn es auf dem Bildschirm dann doch alles viel größer wirkt, war  die technische Ausstattung beeindruckend. Wir erfuhren viel über Beleuchtung, Kameraeinsatz, Teleprompter sowie Blue-/Greenscreen. Wie letzteres funktioniert erklärt zum Beispiel gerade die Lilly vom Schülerfernsehens Kitzscher. An dieser Stelle ein Gruß an meine fleißigen Filmfreunde. 🙂

Auch die Tonstudios für die Radiosendungen sahen wir uns an. Hier wird alles für schönen Klang getan. Zum Beispiel gibt es spezielle Wände, die den Schall „schlucken“. Filzmatten auf dem Tisch sorgen dafür, dass man nicht hört, wenn jemand ein Glas Wasser abstellt.

Interessant fanden wir auch die alten Radio- und Tonbandgeräte im oberen Teil des Foyers des Gebäudes.

 

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21. April 2016 at 10:40

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Die Bibliothek des Bauhaus-Archivs Berlin

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Bauhaus-Archiv und -Museum

Bauhaus-Archiv und -Museum

Nicht weit vom Zoologischen Garten in Berlin befindet sich das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung. Am 2. Dezember 2015 besuchte unsere BIB-Landesgruppe die dortige Bibliothek. Die öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek besteht nur aus einem Raum und wird von einem Bibliothekar betreut. Der Lesebereich steht zusätzlich einer täglich begrenzten Anzahl von Archivnutzern zur Verfügung.

Die Bibliothek verfügt über mehr als 30.000 Bände. Insbesondere Architektur, Kunst, Design und Fotografie der 1920er Jahre werden gesammelt. In die Sammlungen von Archiv und Bibliothek flossen die Privatarchive von Walter Gropius und anderen Bauhäuslern ein. Die Bibliotheksbestände können über einen eigenen Onlinekatalog, aber auch im Suchportal des KOBV recherchiert werden. Der alte Zettelkatalog wird nur noch höchst selten genutzt und dient mehr als Theke, da der Inhalt komplett in der Allegro-Datenbank enthalten ist. Für die Fernleihe stehen die Bestände jedoch nicht zur Verfügung.

Bei Neuzugängen beschränkt man sich aus Platzgründen inzwischen auf die Themen, die tatsächlich unmittelbar mit dem Bauhaus zu tun haben. Demnächst ist ein Umzug innerhalb des Gebäudes geplant. Die Bibliothek soll später in einem der Museumsräume unterkommen. Für das Museum ist ein Platz im Erweiterungsbau vorgesehen. Der beste Entwurf für diese Erweiterung wurde bereits ausgewählt und ist in der aktuellen Sonderausstellung zu sehen.

Der ursprüngliche Bau wurde von Walter Gropius entworfen und sollte eigentlich in Darmstadt stehen. Es scheiterte an den Finanzen. Der Senat von Berlin, der Geburtsstadt von Gropius, ließ sich jedoch für den Bau begeistern, der 1979 beendet und 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Walter Gropius war der Begründer der Schule „Bauhaus“ in Weimar. Dort wurde Architektur, Design und Kunst unterrichtet (mehr zur Idee des Bauhaus). Die Schule existierte von 1919 bis 1933, siedelte allerdings aus politischen Gründen im Jahr 1925 zunächst nach Dessau, dann 1932 nach Berlin über und wurde dort 1933 aufgelöst.

Das Museum, welches wir im Anschluss an den Bibliotheksbesichtigung besuchten, zeigt chronologisch die Weiterentwicklung der Formen von Alltagsgegenständen, von denen zahlreiche bis heute zeitlos schön sind. viele spannende Hintergrundinformationen erfuhren wir von Herrn Eberhard, dem Bibliothekar der Bauhaus-Bibliothek.

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8. Dezember 2015 at 08:00

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Die Bibliothek der Filmuniversität Babelsberg

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Filmarchiv der Filmuniversität BabelsbergDie Bibliothek der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf war das Ziel unserer Bibliotheksbesichtigung am 4. November 2015.

Die Universitätsbibliothek wurde 1956 gegründet und zog im Jahr 2000 in das neue Gebäude in der Marlene-Dietrich-Allee. Zur Bauzeit war gerade Sichtbeton groß in Mode. Dies wurde auch in der Bibliothek umgesetzt.

Der Bestand orientiert sich – wie in Hochschulbibliotheken üblich – an den Bedürfnissen der Lehrenden und Studierenden. Man findet daher vor allem Literatur zu Film-, Fernseh- und Medienwissenschaften und deren technische Anwendungen. Aber auch Textbücher von Filmen und Theaterstücken sind vorhanden. Einen großen Bereich nehmen die audiovisuellen Materialien ein. Sie werden jedoch nur an Hochschulangehörige verliehen.

Die Bibliotheksleiterin Frau Göthe ging mit uns ins Magazin. Dort lagern gut gekühlt die seit 1954 an der Filmuniversität erstellten Filme unterschiedlicher Formate sowie die Abschlussarbeiten der Universität. Außerdem findet man hier einen Teil der Pressedokumentation. Seit 1960 sammelt die Bibliothek Zeitungsartikel mit Rezensionen zu Film & Fernsehen und deren Akteuren. Die Sammlung wurde 1960 begonnen, enthält aber auch deutlich ältere Beiträge. Zuerst klebte man die Artikel auf A4-Blätter und heftete sie in zahlreiche Ordner. Später ging man dazu über, Beiträge einzelner Themen in säurefreie Umschläge zu sortieren. Pro Umschlag gibt es im Bibliothekskatalog eine Titelaufnahme. Was dann tatsächlich in den Ordnern und Umschlägen enthalten ist, bleibt eine Überraschung für den interessierten Nutzer. In den 90er Jahren begann man, die eingehenden Zeitungsartikel einzuscannen, mit Texterkennung zu bearbeiten und schließlich die Texte samt Metadaten in ein Computersystem einzupflegen. Die Präsenznutzung der analogen und digitalen Sammlung mit circa 4 Millionen Artikeln erfolgt in den Räumen der Pressedokumentation.

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6. November 2015 at 08:30

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Unterwegs entdeckt 2015 – Bibliotheken in der Schweiz

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Klosterbibliothek Einsiedeln

Klosterbibliothek Einsiedeln

In dem kleinen Wallfahrtsort Einsiedeln befindet sich ein großes Benediktinerkloster. Innerhalb einer Führung hat man die Möglichkeit, den Großen Saal der Klosterbibliothek zu betreten. Im Rokokostil gebaut, war der Aufenthalt in so einer altehrwürdigen, schönen Bibliothek ein feierlicher Moment. Bereits seit über 1000 Jahren wurden hier zuerst Manuskripte und später Bücher gesammelt. Trotz der Erhaltung vieler Traditionen im Mönchskloster gibt es eine Internetseite, wo auch Digitalisate einige Handschriften verlinkt sind.

Aktuell wird in der Bibliothek eine Sonderausstellung über die Reisetätigkeit der Benediktiner gezeigt (Flyer). Ja, auch Mönche gingen ihrerzeit auf Reisen und erwarben im Auftrag ihres Abts das ein oder andere Buch. Ihr Lieblingsziel war Italien. In Rom hofften sie auf Vergebung ihrer Sünden oder studierten an italienschen Universitäten. Das „Itinerarium Einsidlense“, eine Handschrift aus dem 9. Jahrhundert, gilt als der erste Reiseführer Roms. Neben ihrer Begeisterung für religiöse und kulturelle Stätten, blieb ihnen auch das Leben der Einheimischen nicht fremd und ein  St.Galler Benediktiner brachte den Spruch mit „Magna bruocoli, vedi Napoli e poi muori, ben’mio! – Broccoli essen, Neapel sehen, und dann sterben, mein Lieber!

Bibliothek im Kornhaus, "Tauschstelle" für Besucher

Bibliothek im Kornhaus, „Tauschstelle“ für Besucher

Eigentlich stand nur die Stiftsbibliothek in Einsiedeln in meinem Reiseprogramm. Während einer Stadtführung entdeckte ich noch die Kornhausbibliothek Bern und nutzte anschließend die freie Zeit, um mal einen kurzen Blick hinein zu werfen. Wie bereits aus dem Namen erkennbar, wurde das Gebäude ursprünglich als Kornspeicher 1711 – 1715 erbaut und dient jetzt als Kulturzentrum. Im Treppenhaus sah ich dieses kleine Häuschen, welches die Besucher zum Tausch ihrer eigenen Bücher nutzen können „Nimm eins – bring eins“. Die Kornhausbibliothek ist die Hauptstelle der Öffentlichen Bibliotheken von Bern (Internetseite der Bibliothek).

Zufällig entdeckte ich außer der tollen Sicht über Bern noch die Bibliothek im Rosengarten, eine Zweigstelle der Kornhausbibliotheken. Allerdings war dieser Lesepavillion gerade geschlossen, trotz strahlendem Sonnenschein.

Am Hauptplatz steht das älteste Haus von Zermatt (1730 als Kaplanei erbaut). Darin findet man die Gemeindebibliothek dieses touristisch geprägten Ortes (ein netter Bericht über diese Bibliothek). Die kleinen Räume in dem Holzhaus sind hübsch gestaltet. Eine Besonderheit im Bestand ist die Sammlung zum Alpinismus. In dem legendären Bergsteigerort mit Blick auf das Matterhorn, passt es natürlich perfekt.

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Written by lesewolke

10. Juni 2015 at 07:00

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