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Archive for the ‘Bibliotheksbesichtigung’ Category

Bibliothek Wissenschaftspark Albert Einstein

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Bibliothek im Helmert-Haus

Die Bibliothek gehört zum Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg in Potsdam und wird gleich von vier verschiedenen Instituten genutzt und finanziert: dem Geoforschungszentrum (GFZ), dem Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK), dem Alfred-Wegner-Institut (AWI) sowie dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS).

Die Naturwissenschaftler der Institute sind Zeitschriftenleser. Bücher werden nicht so häufig gekauft. Man nutzt einige Standardwerke oder bestellt die Bücher über die Dokumentlieferung. Die Mitarbeiter der Bibliothek arbeiten eng mit den Wissenschaftlern zusammen, um die Wünsche und Bedürfnisse zu kennen und nach Möglichkeit darauf zu reagieren. Über Drittmittelprojekte werden Services aufgebaut, u.a. zur Speicherung der Forschungsdaten (siehe Daten, Produkte und Dienste) und weitere Projekte realisiert. Die Bibliothek kümmert sich auch um den Publikationsserver GFZpublic, der sowohl Volltexte als auch Daten der Veröffentlichungen speichert, die von den Institionen zur Evaluierung genutzt werden.

Zeitschrift für Bauwesen, 44. Jahrgang 1894, Inh.-Verz., Beiträge von P. Spieker

Es gibt drei Teilbibliotheken und eine zentrale Bibliothek. Letztere schauten wir uns näher an. Das Gebäude blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Im Helmert-Haus befand sich einst der Sitz des historischen geodätischen Instituts. Hier wurde die Geodäsie erfunden, die Wissenschaft, die sich mit der Vermessung der Erde beschäftigt. So befindet sich im Gebäude der sogenannte Pendelsaal. Ende des 19. Jahrhunderts bestimmte man hier die Erdschwere (mehr zum Pendelsaal). „Von 1909-1971 galt der ‚Potsdamer Schwerewert‘ weltweit als Bezugsgröße für die Erdanziehung.“ beschreibt die Tafel für die Station 8 des Rundganges Wissenschaftspark Albert Einstein. Die Erde hat doch so einige Beulen und Dellen, wie man auf dem Potsdamer Telegrafenberg errechnete, und ähnelt weniger einer Kugel sondern eher einer Kartoffel. Sehenswert ist der große Sitzungsraum des Helmert-Hauses. Hier stehen die historischen Bücher.

Die Sonne strahlte, und wir hatten noch ein bisschen Zeit. Daher nutzten wir die Gelegenheit für einen Rundgang durch den Wissenschaftspark. Zuerst gingen wir zum Einsteinturm. 1924 eingeweiht, um die Relativitätstheorie zu prüfen, dient der markante Turm (Architekt: Erich Mendelson) heute zur Beobachtung der Sonnenaktivitäten. Etwas älter und auch schön anzuschauen sind die anderen Bauwerke in dem hübschen Park. Sie wurden bereits ab Mitte des 19. Jahrhundert nach Plänen des Architekten Paul Emanuel Spieker gebaut. In der „Zeitschrift für Bauwesen“ 44. Jahrgang 1894 veröffentlichte der Architekt mehrere Beiträge zu seinen Bauten auf dem Telegrafenberg.

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18. April 2018 at 14:00

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Die Archäologische Bibliothek in Berlin

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ältestes Buch aus dem 15. Jh. - Erläuterungen zur Bibel

Ältestes Buch aus dem 15. Jh.

Im Archäologischen Zentrum der Staatlichen Museen zu Berlin ist die Archäologische Bibliothek untergebracht. Unsere Landesgruppe sah sich den modernen Neubau, der 2012 eröffnet wurde, am 15. März 2018 an. Er befindet sich unweit der Museumsinsel und direkt gegenüber des Grimm-Zentrums der HU Berlin. Bereits 2007 hatte das Stuttgarter Büro Harris & Kurrle Architekten den Realisierungswettberwerb für sich entschieden (Gebäudefotos siehe competionline).

In der Archäologischen Bibliothek wurde die Literatur der Antikensammlung, des Museums für Islamische Kunst, des Museums für Vor- und Frühgeschichte, des Vorderasiatischen Museums und des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung zusammengeführt. Zuvor mussten alle Bücher eine einheitliche Klassifikation erhalten. Man entschied sich für die Regensburger Verbundklassifikation (RVK), die in vielen wissenschaftlichen Bibliotheken verbreitet ist. Aber hier zeigte sich, dass sie bei Spezialsammlungen durchaus ihre Schwächen hat. Dr. Franz Bischoff, der Leiter der Bibliothek, musste sich einiges einfallen lassen, damit die Literatur der deutschen Bundesländer oder die zahlreichen Götter verschiedener Kulturen wie gewünscht thematisch beieinander stehen. Diese systematischen Anpassungen für archäologische Bestände können auch von anderen Bibliotheken nachgenutzt werden.

Circa 150.000 Bände, davon 6.000 historische Werke, stehen dem Benutzer zur Verfügung. 10 bis 20 Leser besuchen täglich die Präsenzbibliothek. Eine Voranmeldung wird empfohlen. Museumsmitarbeiter können auch außerhalb der Öffnungszeiten hinein und Bücher an ihren Arbeitsplatz mitnehmen. Dafür werden Vertreterzettel eingestellt.

Die Bibliothek verfügt über einige Arbeitskabinen und einen Studiensaal, der speziell für Forscher vorgesehen ist, die Tontafeln mit Keilschriften lesen möchten. In den Regalen steht die dazu passende Literatur.

Im Magazin warteten dann berühmte Werke im Original auf uns: ein Tafelband der „Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien“ von Carl Richard Lepsius (Digitalisat der UB Halle), der  „Atlas trojanischer Alterthümer: Photographische Berichte über die Ausgrabungen in Troja“ von Heinrich Schliemann (Digitalisat der UB Heidelberg) und die „Description de l’Égypte“ (Digitalisat der UB Heidelberg). Die umfangreiche französische Text- und Bildsammlung entstand als Ergebnis der ägyptischen Expedition Napoléon Bonapartes (1798–1801) und löste einen Ägypten-Hype in Europa aus. Das älteste Buch der Bibliothek stammt aus dem 15. Jahrhundert und erläutert Bibeltexte. Seine Leser haben es mit zahlreichen Anmerkungen versehen.

Ungewöhnlich – auch im Magazin sind die Bücher nach RVK aufgestellt und nicht nach numerus currens. Das erleichtert den Austausch, falls Teile der Bestände zeitweise in die Freihand umgesetzt werden.

Wir bedanken uns herzlich für die Einblicke in diese interessante Bibliothek mit den strahlend weißen Decken, Böden und Regalen, die uns der Bibliotheksleiter persönlich vorstellte und uns ausführlich die Herausforderungen schilderte, die eine Zusammenführung von Beständen in einen Neubau so mit sich bringen.

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20. März 2018 at 08:00

Veröffentlicht in Bibliotheksbesichtigung

Gelesen in Biblioblogs (13.KW’17)

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Auf der Leipziger Buchmesse wurden 30 Kinder- und Jugendbücher mit dem Leipziger Lesekompass 2017 ausgezeichnet. Die Fachstelle ÖB NRW verlinkte auf die Preisträger in den verschiedenen Alterskategorien.

Die Fachstelle ÖB NRW ging näher auf die App BIBPARCOUR ein und stellte viele spannende Veranstaltungsbeispiele vor, die bereits in Bibliotheken umgesetzt wurden.

Im Tagesspiegel erschien ein Gastbeitrag zur Autorenvergütung von Rainer Kuhlen (via Archivalia). Darin meint er, dass die Verlage am Verkauf und der Lizenzierung ihrer Produkte verdienen und in die Diskussion mit der VG Wort eigentlich nicht einmischen sollten. Zudem schon gerichtlich geklärt wurde, dass Verlage nicht automatisch an den Ausschüttungen beteiligt werden dürfen. Eine Individualerhebung und –vergütung der in Lernplattformen genutzten Werke wäre für Hochschulen zudem nicht nicht zumutbar.

Im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellte der Beirat der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland die BroschüreDie Empfehlungen zum Umgang mit wissenschaftlichen Sammlungen an Universitäten“ (via VÖBBlog).

ZBW-Mediatalk berichtete ausführlich von der Open Science Conference 2017 in Berlin. Forschungsdaten und Open Educational Resources (OER) bildeten die Schwerpunkt dieser Konferenz. Die Barrieren liegen inzwischen mehr im kulturellen als im technischen Bereich. Trotz einem kostenfreien Zugang gibt es Regeln zur Nutzung der Daten und Texte.

Die Library 2.017 mini-conference stand unter dem Motto „Expertise, Kompetenzen und Karriere“ (via Fortbildung in Bibliotheken). Der Wandel des Berufsbildes, was wird heute von Bibliotheksmitarbeitern erwartet usw. waren Themen dieser Webkonferenz, die weltweit zugänglich war. Hier ein Einblick in die ersten 90 Minuten als Twitter-Storify.

Andreas Mittrowann besuchte Bibliotheken in Italien und schilderte im Blog Globolibro seine Eindrücke. Auf Flickr veröffentlichte er zahlreiche Fotos der Bibliotheken.

Außerdem erschien in der letzte Woche mein Film „Mit dem BIB in Wienhier bei Lesewolke! Er stellt sechs wunderschöne österreichische Bibliotheken vor. 🙂

Martin Scheuplein, der Chef der Kartensammlung an der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle fand eine alte Karte aus dem 16. Jahrhundert, die für Aufsehen in der Fachwelt sorgte, siehe idw online (via Archivalia) & Spiegel online. Vermutlich gehört sie zu einem Fragment einer großen Gesamtkarte, von der bisher nur zwei weitere Tiele bekannt sind. Genau genommen, handelt es sich nicht um eine klassische Landkarte, denn zum Reisen wäre sie ungeeignet, sondern eher um eine Infografik, die Bibelszenen verortet.

Film „Mit dem BIB in Wien“

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Im September 2016 war ich mit der Landesgruppe Brandenburg des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. zu einer Fachexkursion in Wien unterwegs (siehe dazu auch den Blogbeitrag mit Diashow vom 7. September 2016).

Mein privater Film über diese Reise ist nun online. Wir besuchten sechs Bibliotheken. Wunderschöne alte Bibliothekssäle sahen wir im Prunksaal der Nationalbibliothek, in der altehrwürdigen Universitätsbibliothek und der Bibliothek der Akademie der Bildenden Künste. Wir erfuhren dabei interessante Hintergründe zu den Bauwerken und lernten viel über die Sammlungen, z.B. in der Wienbibliothek im Rathaus. Modern wurde es dann im Neubau der Wienbibliothek am Gürtel und richtig futuristisch in der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ein ganz herzliches Dankeschön gilt den Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie der Architekturexpertin, die uns alle mit viel Engagement und Begeisterung ihre Bibliotheken und Gebäude vorgestellt haben.

Direkt bei Youtube kann man den Film auch mit Untertiteln, im Vollbild und/oder HD-Qualität anschauen.

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30. März 2017 at 06:50

Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg 2017

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Der 6. Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg fand am 11. März 2017 in Cottbus statt. Das Motto der Fachtagung lautete „Offenheit und Integration : Menschen und Bibliotheken in Bewegung“. Zu Beginn machten die Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Münch, der Vizepräsident der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr.-Ing. Koziol, und Berndt Weise als Vertreter der Stadt Cottbus in ihren Grußworten auf die Bedeutung der Bibliotheken aufmerksam.

Eröffnungsvortrag von Thomas Feibel

Thomas Feibel

Sehr unterhaltsam war der Eröffnungsvortrag des Buchautors Thomas Feibel. Der Autor, Journalist, Medienexperte und Preisträger der Karl-Preusker-Medaille 2014 outete sich als „schlechtester Auszubildender aller Zeiten“ in der Bibliothek und hatte einige lustige Anekdoten aus dieser Zeit auf Lager. Und auch wenn er wohl nicht das gelernt hat, was man sich wünschte, nahm er viel aus dieser Phase für sein weiteres Leben mit. Passend zum Thema „Offenheit und Integration“ verwies Thomas Feibel darauf, dass Bibliotheken sich kümmern und auch ein Anlaufpunkt für Menschen sind, die aus anderen Ländern hierher kommen und auf der Suche nach Informationen und der Überwindung von Sprachbarrieren sind.

Minute madness

Minute madness

Um die Auswahl der zu besuchenden Vorträge zu erleichtern, fand eine Minute Madness statt. Alle Referentinnen und Referenten hatten je 90 Sekunden Zeit, um für ihren Vortrag zu werben. Manche hatten sich für diese eineinhalb Minuten viel einfallen lassen.

Dr. Frank Seeliger von der TH Wildau gab den Startschuss für den Innovationspreis für Bibliotheken der Länder Berlin und Brandenburg. Bis zum 30. Juni 2017 können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Brandenburger & Berliner Bibliotheken mit ihrer Projektidee um den mit 10.000 Euro dotierten Preis bewerben. Alle Informationen dazu befinden sich auf der Internetseite der Berlin-Brandenburgischen Stiftung für Bibliotheksforschung e.V.

Vortrag von Silvia Gliem

Vortrag von Silvia Gliem

Im 1. Vortragsblock hatte man die Wahl zwischen drei Vorträgen. So lauschte ich überwiegend Frau Gliem von der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie möchte die Kundenkontaktmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, kurz KuKoMAs, in Bibliotheken erforschen. Wie sieht das Spannungsfeld zwischen Kunden- und Unternehmensinteressen aus, und wie kommen diese wichtigen Schlüsselfiguren damit klar. Ergebnisse konnten wir hier noch nicht erfahren, aber Frau Gliem stellte dem Publikum schon mal ein paar Fragen zu ihren emotionalen Empfindungen der letzten Arbeitswoche. Bibliotheken, die gern mal ein Stimmungsbild ihres Teams, welches den Kontakt zu den Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern pflegt, erkunden möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei Frau Gliem zu melden. Die Umfrage erfolgt über einen Fragebogen.

Buffet

Buffet

In der Mittagspause war natürlich das kostenfreie Buffet der Anlaufpunkt Nummer 1. Das Studentenwerk hatte sich viel Mühe gegeben, um die Gäste zu verwöhnen.

Nach der Pause fiel die Wahl schwer. Aber der kleine Fisch mit der Haifischflosse war einfach zu verlockend. Prof. Dr. Hobohm von der Fachhochschule Potsdam hatte uns schon beim Empfang mit der Frage nach einem Overheadprojektor, manchen noch unter dem Begriff Polylux bekannt, überrascht. Doch die Hörsäle verfügten auch über diese analoge Technik. Inhaltlich drehte es sich um die deutsche Übersetzung des Buches „Expect More : Demanding Better Libraries for Today‘s Complex World“ von Richard David Lankes (Präsentation). Hier geht es darum, den Fokus zunehmend mehr auf die Menschen und nicht auf den Bestand zu legen, denn „unsere Communities sind unser Bestand“. In einem Video kam dann der amerikanische Autor selbst zu Wort.

Vortrag Marcus Heinrich

Vortrag Marcus Heinrich

Der nächste Vortrag in diesem Block befasste sich mit dem Forschungsdatenmanagement. Marcus Heinrich von der Hochschulbibliothek der TH Brandenburg hatte dazu eine Umfrage an seiner Hochschule durchgeführt und stellte die Ergebnisse vor. Eine einheitliche Archivierung oder gar Veröffentlichung war demnach noch kein Thema. An die Bibliothek dachten die Forscher in diesem Zusammenhang eher nicht. Herr Heinrich sieht es dennoch als Zukunftsthema. So könnten sich Bibliothekare schon in der Antragsphase hinsichtlich der Beratung zu Metadaten und Tools einbringen und sich nach Projektende bei um die Archivierung der Publikationen und Forschungsdaten kümmern.

Im letzten Vortrag des 2. Blockes stellte Frau Quitzsch die Funktionen und Recherchemöglichkeiten des KOBV-Portals vor (Präsentation). In einer praktischen Vorführung gab es Tipps für eine gute Suche und auch Hinweise auf die Schwächen es Programms, wie die Sortierung.

In der Kaffeepause wurde dann munter weiter diskutiert. Und der Kuchen war natürlich auch sehr lecker.

World Café

World Café

Beim letzten Teil des Programms musste man sich dann zwischen einem Vortragsblock zur Arbeit mit Geflüchteten (sowohl Nutzerinnen und Nutzern als auch Berufskolleginnen und -kollegen), zwei Worldcafés und zwei Bibliotheksführungen entscheiden. Das Worldcafé des Arbeitskreises der One Person Librarians (OPLs) hatte für die Vielzahl dieser in Berlin und Brandenburg vorhanden Bibliotheken Karten angefertigt, die nun munter sortiert werden konnten.

Auch die Bibliotheksführungen lockten. Das IKMZ-Gebäude sorgte für tolle Fotomotive. Es ist das Wahrzeichen des Campus der Brandenburgischen Technischen Universität. Das restaurierte Gebäude der ehemaligen Tuchfabrik, in der sich heute die Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus befindet, war ebenfalls schön anzuschauen. Die Kolleginnen hatten viel zu erzählen von früheren Zeiten bis zur heutigen Entwicklung als Lernzentrum, zum auch die Volkshochschule zählt. Besondere Begeisterung riefen die gemütlichen roten Liegen im Lesebereich, der Dschungel für die Kinderliteratur und der Schulungsraum mit den einklappbaren PC hervor.

Einen Eindruck von der Veranstaltung vermittelt das Storify der Tweets. In der Lausitzer Rundschau erschien eine Fotostrecke.

Update zu weiteren Veröffentlichungen:

Fotos von den Bibliotheksführungen

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16. März 2017 at 08:50

Unterwegs entdeckt – ein exotischer Bibliotheksbau in der Karibik

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schoelcher-bibliothek-titelEine Bibliothek, welche als Sehenswürdigkeit angepriesen wird, wenn man sich mit den kleinen Antillen und speziell der Insel Martinique befasst (Überseedepartement von Frankreich), ist die Bibliothéque Schœlcher.

Um das exotische Bauwerk, welches so gar nicht zu der restlichen Architektur von Fort-de-France passen will, ranken sich einige Geschichten. So wird in „Karibik, Kleine Antillen“ (1), weiteren Reiseführern und auf einigen Internetseiten behauptet, dass der Bau als Karibischer Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1889 zu sehen war, dann abgebaut und im Hauptort von Martinique wieder aufgebaut wurde. Wikipedia (2) meint, das Gebäude entstand 1886/87 im Pariser Jardin des Tuilleries und gelangte dann nach Martinique. Belege scheint es dafür nicht zu geben. Die Internetseite der Bibliothek (3) bestätigt auch keine dieser Theorien. Nur in einem sind sich alle einig: Pierre-Henri Picq (1833–1911) war der Architekt des Bauwerkes. Die Schœlcher-Bibliothek (3) erwähnt Lucie Briere de l’Isle, die Ehefrau von Pierre-Henri Picq. Sie stammte von Martinique und hatte gute Kontakte, weshalb ihr Mann den Auftrag für den hiesigen Bibliotheksbau bekommen haben soll. Picq gilt auch als Architekt der Kathedrale von Fort-de-France (3).

Die Banque Numérique du Patrimoine Martinique, das Portal für das Kulturerbe Martiniques, geht näher auf die Geschichte der Bibliothek ein (4). Demnach versprach Victor Schœlcher (1804–1893) seine private Sammlung von 9.000 Büchern und 250 Musikalien zu spenden, wenn in der Kolonie eine öffentliche Bibliothek gebaut würde. Das geschah, und er hielt sein Versprechen. Viktor Schœlcher wird heute noch in Martinique und Guadeloupe verehrt, weil er dort die Sklaverei abschaffte.

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Auf der Weltausstellung in Paris 1889 war allerdings tatsächlich ein der Bibliothek sehr ähnliches Bauwerk zu sehen, nämlich das Maison de la belle Jardiniere (5). Dieses Gebäude wurde wohl wirklich abgebaut und dann in Santiago de Chile als Museo Artequin genutzt. Einige Quellen schreiben es ebenfalls Picq zu, beispielsweise das Artequin selbst (6) oder die Schœlcher-Bibliothek (3). Eine andere Quelle erwähnt Moisant, Laurent, Savey als Architekten des Chile-Pavillons (7).

Update 13.02.2017: Die Spur führt nun doch nach Paris.

Eine Illustration aus der Zeitschrift „La construction moderne“ (leider ohne Jahres- und Heftangabe), brachte mich dann auf die Idee, an der Stelle weiterzuforschen. Und tatsächlich, Mitte des Jahres 1887 wurde in dieser Zeitschrift eine dreiteilige Artikelreihe mit dem Titel „La Bibliothéque Schoelcher“ veröffentlicht und inzwischen digitalisiert. So hieß es in der Ausgabe vom 11. Juni 1887 (8), dass der Pavillon, dessen Architekt Mr. H. Picq ist, in diesem Moment am Place du Carrousel an der Stelle der ehemaligen Tuileries in Paris zu sehen wäre. Bauunternehmer waren die Moreau Brüder. Der Beitrag bestätigt, dass es darum ging, eine Bibliothek für dem Bestand zu finden, den Victor Schoelcher angeboten hatte. Einen Holzbau im Stile der bisherigen Gebäude in Fort-de-France wollte man wegen der Erdbeben- und Brandgefahr für diesen Schatz nicht bauen. Der Rat des Departments Martinique bewilligte für einen Neubau einstimmig 300.000 Francs.

In der nächsten Ausgabe (9) wird berichtet, dass die provisorische Montage der Bibliothek in Paris beschlossen wurde und der Staat für diesen Zweck die Tuilerien angeboten hätte. Teil 3 der Artikelreihe (10) lobte die Fertigungsmöglichkeiten solcher Metallbaukonstruktionen fernab vom Zielort. Wann der Abtransport nach Martinique erfolgte, und ob der Pavillon zur Zeit der Weltausstellung 1889 noch in Paris oder bereits in Fort-de-France stand, habe ich bisher nicht herausgefunden.

Doch zurück zur Schœlcher-Bibliothek, die sicher nicht nur als spektakuläres Bauwerk wahrgenommen werden will, sondern sich als öffentliche Bibliothek um Leseförderung kümmert, Veranstaltungen & Ausstellungen anbietet und sich für den Zugang zu Informationen einsetzt. Darüber hinaus erfüllt sie Archivierungsaufgaben, sammelt historischer Dokumente und Literatur rund um Martinique und Victor Schœlcher sowie Manuskripte und historische Postkarten aus dem 17.-19. Jahrhundert (4).

Quellen:

(1) Brockmann, Heidrun ; Quack, Ulrich: Karibik, Kleine Antillen. 10. Aufl. Dormagen : Iwanowski, 2015

(2) Bibliothéque Schoelcher. – fr.wikipedia.org

(3) Pierre-Henri Picq. – Bibliotheque Schoelcher

(4) The Schœlcher library. – Banque Numérique des Patrimoines Martiniquais

(5) Historia de Artequin. – Artequin.cl

(6) Pabellón París. – Artequin.cl

(7) Exposition Universelle de Paris 1889: Chili. – Worldfair.info

(8) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 24, S. 417, online verfügbar

(9) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 25, S. 426, online verfügbar

(10) La Bibliothéque Schoelcher. In: La Construction Moderne (1887), Nr. 26, S. 438, online verfügbar

Written by lesewolke

8. Februar 2017 at 09:00

Mit dem BIB in Wien

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Die ersten vier Tage im September verbrachte ich mit der Landesgruppe Brandenburg des BIB e.V. in Wien. Zum Bloglesen blieb deshalb natürlich keine Zeit. Aber ich hoffe, mein Erlebnisbericht entschädigt für diesen Ausfall. 😉 Nebenbei lernten wir so einige österreichische Wörter.

00-Prunksaal_TitelbildEin umfangreiches Programm erwartete uns bei unserem Besuch in sechs großen Wiener Bibliotheken. Unsere erste Station war der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Bücherschränke aus Nussholz, die barocken Prunkgloben, die zahlreichen Marmorstandbilder, die Deckengemälde und die enorme Größe des Saales (77,7 Meter lang, 14,2 Meter breit und 19,6 Meter hoch) versetzen die Besucher in Ehrfurcht.  Kaiser Karl VI. ließ das barocke Bauwerk von 1723 bis 1726 einst für seine Hofbibliothek errichten. Die Statue in der Mitte des Saales soll den Bauherrn darstellen, wenn auch deutlich geschönt. Wir durften einen Blick in zwei uralte Werke werfen. Das Buch „Polygraphiae“ aus dem Jahr 1518 wurde von Johannes Trithemius verfasst, einem Universalgelehrten und Klostervorsteher. Es ist eine Sammlung von Geheimschriften, die teilweise auch in späteren Jahrhunderten angewandt wurden (Digitalisat bei Google Books). „Serpentum et draconum historiae libri duo“ (zwei Bücher der Geschichte der Drachen und Schlangen) von Ulisse Adrovandi aus dem Jahr 1640 enthielt viele, für seine Zeit sicher wissenschaftliche, für uns aber eher kuriose Beschreibungen und Illustrationen (Digitalisat bei AMS Historica und Google Books). Apropos Digitalisate: In Zusammenarbeit mit Google werden auch die gemeinfreien Werke der Österreichischen Nationalbibliothek in einem deutschen Digitalisierungszentrum nach und nach gescannt, soweit es ihr physischer Zustand zulässt. Die 200.000 Bücher im Prunksaal dienen auch sonst nicht nur dekorativen Zwecken, sondern werden auch genutzt. Einen räumlichen Eindruck des Saales bietet die virtuelle Ansicht. Außerdem gibt es regelmäßig Sonderausstellungen. Zur Zeit ist es Der ewige Kaiser, denn am 21. November jährt sich der 100. Todestag des einstigen Monarchen.

Gleich im Anschluss besuchten wir die Wienbibliothek im Rathaus. Sie zählt zu den drei größten wissenschaftlichen Bibliotheken Wiens und sammelt Literatur und Materialien zu der Stadt Wien. Erstmals erwähnt wurde die Bibliothek 1466, denn zu diesem Zeitpunkt musste laut Rechnung ein Schloss „in der librej“ repariert werden. Neben 600.000 Bänden werden auch Handschriften, Plakate, Musikhandschriften, Telegramme und Nachlässe gesammelt. Der Nachlass des Opernkenners und Dramaturgen Marcel Prawy befand sich in unzähligen Plastiktüten (auf österreichisch: Plastiksackerl), siehe dazu auch den netten Beitrag bei Zeit online. Diese Aufbewahrungsmethode sei jedoch nicht zur Nachahmung empfohlen, wie uns Frau Bargmann in ihrem Vortrag erklärte. Für ihre Gäste aus dem Bundesland Brandenburg hatte sie in der Präsentation der vielen Dokumentarten auch Beispiele aus unserer Gegend heraus gesucht. Jeden Monat stellt die Bibliothek Objekte aus ihrer Sammlung zu einem Thema vor. Im August 2016 drehte es sich um Ellen Müller-Preis, die bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles ganz überraschend eine Goldmedaille im Fechten gewann. Bei den digitalen Sammlungen sind besonders die Wiener Adressbücher bei Familienforschern beliebt. Der Lesesaal im historischen Gebäude war sehenswert. Danach schauten wir uns die aktuelle Ausstellung „Tafelkratzer, Tintenpatzer. Schulgeschichten aus Wien“ an. Während die Schulmöbel inspiriert vom „Fliegenden Klassenzimmer“ an der Decke hängen, zeigen die Vitrinen Bücher, Schreibhefte, Spielzeug und allerlei Utensilien zum Schreiben und Lesen lernen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Universitätsbibliothek Wien. Sie wurde bereits 1365 gegründet und gilt damit als älteste Universitätsbibliothek im deutschsprachigen Raum (mehr zur Geschichte auf der Internetseite der Bibliothek). Auch hier gibt es einen altehrwürdigen Lesesaal, den wir natürlich bestaunten. Die Bibliothek wird auch gern von Filmteams gebucht, besonders für Krimis. Vom Lesesaal führt eine Tür direkt in das mehrstöckige Magazin (österr.: Depot). Hier wird es demnächst eine größere Umbauaktion geben, denn der Brandschutz kann sonst in den niedrigen Räumen, deren Etagen nicht abgeschlossen sind, nicht gewährleistet werden. Das bedeutet natürlich, dass viele Bücher in ein Außendepot umziehen (österr.: übersiedeln) müssen. Neben den sieben Millionen gedruckten Büchern bietet die Bibliothek eine umfangreiche Auswahl von E-Books, E-Journals und Datenbanken (Zahlen: Wir über uns) und hat zahlreiche Angebote zur Unterstützung von Forschung und Lehre. In Österreich werden viele Entscheidungen für wissenschaftliche Bibliotheken zentral vom Österreichischen Bibliotheksverbund (ob vsg) getroffen. Im Moment ist der Umstieg auf das System Alma von Ex Libris im Gange. Das bedeutet viel Aufwand in den einzelnen Einrichtungen.

Die Büchereien Wien decken als öffentliche Bibliothek die literarischen Bedürfnisse der Bevölkerung ab. Die moderne Hauptstelle am Gürtel wurde 2003 eröffnet und liegt nahe des 15. Wiener Gemeindebezirks mit einem hohen Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund. So engagiert sich die Bibliothek sehr für Interkulturalität, bietet eine große Auswahl fremdsprachiger Medien, spezielle Angebote für Deutschlernende und kooperiert mit Veranstaltungsangeboten wie ”Mama lernt deutsch”. Bekannt sind die Büchereien Wien auch für ihre unterhaltsame Facebookseite.

Am späten Nachmittag besuchten wir noch die Bibliothek der Akademie der bildenden Künste in Wien, welche sich im Mezzanin befindet (Zwischengeschoss zwischen Parterre und dem ersten Stock). 1773 fand die Bibliothek der ältesten Kunsthochschule Mitteleuropas ihre erste Erwähnung in einem Satzungsentwurf. Nach Plänen von Theophil Hansen wurde das heutige Akademiegebäude 1877 fertiggestellt und auch von der Bibliothek bezogen. Im langgestreckten Lesesaal ist das Gestaltungskonzept des Architekten bis heute erhalten. Zu der Zeit waren bemalte Decken, die Holzintarsien imitierten, in Mode. Trotz des Charmes vergangener Zeiten kämpft die Bibliothek mit ganz praktischen Platz- und klimatischen Problemen. So manche Ledereinbände leiden unter Austrocknung. Demnächst ist eine Restaurierung der schönen Bibliotheksräume geplant. Bibliotheksbestandserhaltende und raumklimatische Aspekte stehen dabei allerdings weniger auf dem Programm. Zum Abschluss erhielten wir von der Bibliotheksleiterin noch den reich illustrierten Band „Theophil Hansen und die Bibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien“. Neben Fotos und architektonischen Entwürfen findet sich hier auch eine Bibliotheksordnung von 1850 (S. 27), die unter anderem vorschreibt „Das Pausen wird nur gegen besondere von dem Bibliotheks-Vorstande in jedem einzelnen Falle einzuholende Erlaubnis gestattet, wobei jedoch der Gebrauch von Wachs und getränkten Papieren ausgeschlossen ist.“ Ja, es gab mal Zeiten, wo man Abbildungen nicht einscannen oder kopieren konnte. Einen Beitrag von Beatrix Bastl zu den aktuellen Angeboten der Akademiebibliothek findet man auf dem Publikationsserver e-LiS.

Den Samstagvormittag widmeten wir dem Gelände und der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 2013 befindet sich die Universität auf dem modernen Campus, der von mehreren Architekturbüros gestaltet wurde. Auffällig ist das orange Gebäude D3 mit den Holzlamellen aus Weißtanne. Wir besuchten auch das rostfarbene Teachingcenter TC/D1 mit der Mensa und das schwarz-weiße Gebäude D2, welches auch Räume enthält, die komplett schwarz sind. Besonders neugierig waren wir natürlich auf die Bibliothek = Library and Learning Center (LC). Schon von außen beeindruckend, zeigt sich im Foyer ein futuristischer Bau, welcher an ein Ufo erinnert. Die schicke, neue Bibliothek hat bequeme Sitzecken und einen Lesesaal mit toller Aussicht auf den Prater. Die WU-Bibliothek ist die größte wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek im deutschsprachigen Raum und bietet neben 634.000 gedruckten Büchern auch viele elektronische Ressourcen (mehr zum Bestand). Die Online-Tutorials des Projektes Fit4Research helfen Bibliotheksbenutzern, sich im Informationsdschungel zu orientieren. Die Anleitungen stehen in deutscher und englischer Sprache unter der CC-Lizenz By 4.0 zur weiteren Verwendung zur Verfügung.

Wir bedanken uns natürlich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die uns bei interessanten und unterhaltsamen Führungen, Vorträgen und Gesprächen ihre Bibliotheken und Angebote vorstellten.

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Written by lesewolke

7. September 2016 at 08:00

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