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Inetbib 2013 – Nutzerwünsche und soziale Aspekte

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Aussagen über Nutzer

Aussagen über Nutzer

Viele Bibliotheken sind durchaus kundenorientiert und versuchen ihre Angebote an den Nutzer zu bringen. Das bedeutet nicht, dass wir es diesen immer sehr leicht machen, wie uns Anne Christensen in ihrem Vortrag „Und was erwarten wir von unseren NutzerInnen?“ (online bei Slideshare) vor Augen führte.

Das geht oft schon mit den Passwörtern los, die komplizierter sind, als die PIN-Codes einer EC-Karte, obwohl es hier um deutlich weniger sensible Daten geht (siehe dazu auch Artikel „Besser geschützt als Fort Knox“ von Henning Klauß in BuB 2013,Heft 2, S. 95). Auch der Blick auf so manchen Linkresolver (siehe auch Screenshots bei Netbib) mag für viele unserer Nutzer eher verwirrend als hilfreich sein. Und eigentlich sind wir schon enttäuscht, wenn sich der Nutzer schnell mit den ersten Buchergebnissen zufrieden gibt und gar nichts weiter über Datenbanken und deren Recherchemöglichkeiten und den vielen Dingen, die uns sonst noch einfallen, wissen will. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen sollten uns zumindest bewusst sein. Nutzer sind halt meist pragmatisch und ergebnisorientiert. Da heißt es „good enough“ statt perfekt. Auch sonst plädierte Anne Christensen für eine weniger auf Verbote orientierte Bibliothek, die mehr auf selbstverantwortliches Handeln setzt.

Maren Krähling besuchte die USA, schaute, wie dort Bibliotheken auf ihre Nutzer eingehen und berichtete in ihrem erfrischenden Vortrag „Join the Conservation“ darüber (Update 18.4.2013: Link zu den Folien). Gemeinsam in den wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, die sie besuchte, waren der Respekt vor dem Nutzer und die Vorstellung, dass die Bibliothek jeweils ein Teil der Gemeinschaft ist. Wichtig dabei ist, auch die eigenen Grenzen zu kennen, z. B. bei der Queens Public Library in Form einer Demographiebibliothekarin, die aus der Bibliothek hinaus in die Community geht, um herauszufinden, für welche Gruppen, auch zahlreiche fremdsprachige, Literatur benötigt wird. Ein schönes Beispiel fand ich auch die Bibliothek des Rutgers University, die sich durch Studierende beraten lassen und diese Arbeit wertschätzen.

=> Mehr zum Nachlesen über diese beiden Vorträge findet man sich im Open Knowledge Pad von Dörte Böhner sowie im Blogbeitrag von Hatori Kibble.

Nicht nur in den USA haben es öffentliche Bibliotheken mit sehr verschiedenen Nutzergruppen zu tun. Auch in Deutschland gibt es Bevölkerungsschichten, die im Vergleich zum Durchschnitt ungünstige Ausgangsbedingen haben, sei es, weil sie finanziell schlechter gestellt sind, Sprachbarrieren existieren, in einem wenig gebildeten Umfeld leben oder keinen Internetzugang haben. Karsten Schuldt machte in seinem Vortrag „Hilft die Bibliothek wirklich gegen den Digital Divide bei Sozial Schwachen?“ auf diese vielfältigen Möglichkeiten aufmerksam, die meist die Bildungschancen verschlechtern. Für Bibliotheken bedeutet dies, dass solche Nutzer mit sozial schwachem Hintergrund auch mit ganz anderen Bedürfnissen und Fragen in die Bibliothek kommen. Man kann oft nicht vorhandene Technik und entsprechende Kompetenzen im Umgang voraussetzen, sondern müsste hier einfache Einstiegsangebote schaffen, um Ängste abzubauen, Neugier zu wecken, gemeinsam zu lernen sowie dabei auf konkrete Interessen achten.

=> Zu diesem Vortrag gibt es ebenfalls eine Mitschrift von Dörte. Update 18.4.2013: Link zu den Folien

Written by lesewolke

14. März 2013 at 07:00

Inetbib 2013 – Internetseiten und Kataloge verbessern

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Verschiedene Vorträge beschäftigten sich mit der Nutzbarkeit der Internetangebote von Bibliotheken. Schonungslos aber mit Humor berichtete Prof. Dr. Ursula Schulz vom Department Information der HAW Hamburg über ihre Erfahrungen aus 10 Jahren Usability-Evaluation virtueller Fachbibliotheken (Abstract).

Ein wesentliches Problem ist oft die Verwendung von Fachbegriffen, mit denen die Anwender nichts anfangen können: lieber Volltext statt URL, Bücher aus anderen Bibliotheken bestellen statt Fernleihe. Nützliche Labels anstelle korrekter Labels lautet das Motto! Webdesigner mögen vielleicht lieber schlagkräftige Einzelwörter, aber die Verständlichkeit sollte Vorrang haben.

Auch die Anzeige unserer Katalogsätze ist für Nutzer oft alles andere als übersichtlich. Es geht bei Bibliotheksangeboten im Netz nämlich nicht um uns, sondern das Anliegen der Kunden. Sinnvoll wären auch unterschiedliche Einstiege für verschiedene Zielgruppen. Und gleich noch ein Fazit der Expertin. Wenn man sich bemüht, überregionale Angebote zu schaffen, sollten sich diese nicht auf Europa beschränken, sondern wirklich international sein.

Prof. Schulz meinte eindringlich, gleich bei der Entwicklung neuer Angebote die Kunden einzubeziehen und die Nutzbarkeit zu testen. Die, die darunter leiden werden, sollten im Vorfeld gefragt werden. In der Entwicklungsphase ist es außerdem noch viel einfacher, externe Sichtweisen einfließen zu lassen.

=> Über diesen Vortrag schrieb auch Hatori Kibble. Update 18.4.2013: Inzwischen gibt es auch einen Konferenzbeitrag von Ursula Schulz auf dem Repositorium der TU Dortmund.

Die MitarbeiterInnen des Bibliotheks- und Informationssystem Oldenburg hatten offensichtlich schon von solchen Dingen gehört und diese bei der Einführung von Primo und der Überarbeitung der Internetseite im Einsatz. Nun berichtete Kerstin Schoof in „Digitale Dienstleistungen und ihre Nutzung“ von den Erfahrungen, vor allem von Videofeedbacks (Abstract). Dabei werden Nutzer beim Lesen und Navigieren auf der Internetseite gefilmt, während sie ihr Handeln und ihre Überlegungen laut kommentieren.

Das Ziel bestand natürlich darin, schon während der Entwicklung zu testen, ob die Nutzeroberfläche inituitiv und von der Wortwahl verständlich wäre. Und bei Kommentaren, wie „Das ist auch super, wenn man es weiß.“ weiß man dann eben gleich, wo noch Verbesserungen nötig sind. Durch zu viele aufgeklappte Filtermöglichkeiten fühlten sich Probanden auch etwas überfordert.

=> Weitere Informationen dazu und zu weiteren Evaluationsmethoden sind im Open Knowledge Pad sowie bei Hatori Kibble enthalten. Update 18.4.2013: Link zu den Folien von Schoof/Diekmann.

Folie aus Wachgeküsst / Brenner, Lorenz

Folie aus Wachgeküsst / Brenner, Lorenz

Das Anliegen des märchenhaften Vortrags „Wachgeküsst: Die Geschichte vom aktiven Katalognutzer“ von Simon Brenner & Miriam Lorenz war nicht das Finden von Informationen sondern um das Mitmachen der Bibliotheksnutzer (Abstract). Bisher neigten Bibliothekskunden kaum dazu, angebotene Bewertungs- und Rezensionstools auch aktiv zu bedienen. Um bereits einen Datenpool zu haben, nutzte ein Projekt der Fachhochschule Köln, an welchem sich 24 Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen beteiligten, die Informationen von LibraryThing. Aber man wollte die eigenen Nutzer nun ebenfalls bewegen, Rezensionen beizusteuern, welche jeweils in allen teilnehmenden Bibliotheken sichtbar sind. Tatsächlich gelang es bisher über 2500 Rezensionen zu erreichen. Und wer glaubt, dass automatisch die größeren Einrichtungen mit höherer Nutzerzahl hier vorn lagen, wurde eines besseren belehrt. Die zweitkleinste Einrichtung lag mit 500 Rezensionen vorn. Der persönliche Einsatz der 2 1/2 Mitarbeiterinnen hatte dies erreicht. Auch Sommerleseclubs und Kooperationsprojekte mit Schulen waren in einigen Einrichtungen von Erfolg gekrönt.

=> An dieser Stelle ebenfalls wieder der Hinweis auf die virtuelle Mitschrift von Dörte Böhner und einen Blogbeitrag von Hatori Kibble. Update 13.3.13: Auch im Vortrag „Auf dem Weg zum interaktiven Bibliothekskatalog in Öffentlichen Bibliotheken“ Dirk Ehlen, Bibliothekskongress Leipzig waren die 24 ÖBs in NRW und LibraryThing for Libraries noch einmal das Thema (siehe Mitschrift von Dörte, letzter Vortrag im Block). Update 18.4.2013: Nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam gestaltet sind die Folien des Wachgeküsst-Vortrags, die man nun auch online anschauen kann.

Written by lesewolke

12. März 2013 at 07:00

Gelesen in Biblioblogs (10.KW’13)

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Clärchens Ballhaus

Clärchens Ballhaus

Das Hightlight der letzten Woche war natürlich die Inetbib-Tagung in Berlin. Viele tolle Vorträge ließen keine Langeweile aufkommen. Ein ganz spezielles Erlebnis war die Abendveranstaltung in der charmanten Kulisse von Clärchens Ballhaus. Nach dem feinen Menü schwand jedoch die Ehrfurcht, und wir ließen uns von der eher ungewohnten Musik nicht vom Tanzen abhalten. Bibliothekarisch.de sammelte die bisher erschienenen Beiträge. Eigentlich sollte es auch hier mehr über die Tagung geben. Eventuell hole ich das in dieser Woche nach. Update 18.4.2013: Die Folien der Vorträge findet man auf Eldorado.

Der Deutsche Bibliotheksverband meldete, dass Bibliotheken jetzt die Buchcover aus der Datenbank der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH (MVB), Betreiber der Plattformen buchhandel.de und Libreka!, für die Anreicherung ihrer Kataloge verwenden dürfen (siehe NRW-Blog). Bisher wurde öfter das Angebot von Amazon genutzt, welches für Kritik sorgte. Denn mit einem Klick auf das Cover landet man beim dem amerikanischen Anbieter.

Ab 2015 gelten neue Regeln für die Katalogisierung. RAK wird von RDA abgelöst. Dafür gibt es sogar einen Zeitplan, siehe NRW-Blog.

Trotz einiger Versuche, eklatanten Problemen des aktuellen Urheberrechtsgesetzes mit dem neuen Entwurf zu begegnen, zeigte es sich das Urheberrechtsbündnis doch wenig begeistert und veröffentlichte eine Pressemitteilung (via Archivalia). Wer überhaupt noch nicht so richtig verstanden hat, worum es beim Streit um das Urheberrecht zumindest im Allgemeinen geht, sollte sich das Video  von der Heinrich-Böll-Stiftung bei Bibliothekarisch.de anschauen.

Archivalia testete Metasuchmaschinen. eTools.ch schafft es demnach mit 31 Punkten auf den 1. Platz und Metacrawler mit 28 Punkten auf  den 2. Platz. Google zeigte mit dem Vergleichswert von 32 Punkten, dass die Suchmaschine wohl nicht ohne Grund beliebt ist.

Welche Bücher über Bibliotheken es noch nicht gibt, aber laut Libreas geben sollte, erfährt man in einem Artikel zum frei<tags>-Countdown. 😉

Written by lesewolke

11. März 2013 at 06:00

Inetbib 2013 – Navigation in Bibliotheken

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Gerade in verwinkelten oder mehretagigen Bibliotheken ist es oft nicht so einfach für die Nutzer,  sich zurecht zu finden. Nun eignet sich GPS eher nicht für Navigation innerhalb von Gebäuden und WLAN benötigt sehr viele technische Zugriffspunkte, damit die Ortung gelingt. Drei Informatikstudenten aus Konstanz entwickelten das Navigationssystem BinAPP, welches QR-Codes verwendet (Abstract zum Vortrag von Sebastian Beisch, Steffen Maurer, Jan Oke Tennié).  Es ist einfach, robust und die Hardwareanforderungen sind im Vergleich zu anderen Anwendungen gering. Man scannt den Startpunkt und gibt das Ziel ein, z.B. einen Raum oder das Regal mit der Notation. Daraufhin wird eine Karte mit dem Weg berechnet und auf das Smartphone geschickt. Es handelt sich hier um eine passive Navigation, da die Karte statisch ist. Sollte der Benutzer unterwegs vom Weg abgekommen, kann er den nächstgelegenen Code einscannen und erhält eine neue Karte mit der Route. Man kann Start & Ziel auch per Pulldown-Menü auswählen. Hier zum Test der Link zur Anwendung. Update 18.4.13: Die Folien sind online.

Ganz anders versucht die Bibliothek der TH Wildau ihre Nutzer auf den richtigen Weg zu bringen (siehe Abstract  zum Vortag von Alfredo Azmitia sowie eine Präsentation vom RFID-Symposium). Ist eine Navigation mittels RFID gewünscht, leihen sich die Bibliotheksbesucher einen entsprechenden Anhänger aus. Die Benutzerausweise sind nicht dafür geeignet. Der Chip funkt die RFID-Sender auf den Etagen an. Dafür müssen diese ca. alle 2-3 Meter auf den Etagen angebracht sein. Verwendet wurde dafür das Tracking System von OpenBeacon. Geplant ist, dass die Mitarbeiter ebenfalls einen Chip tragen und ortbar sind. Sie können dies wohl jedoch auch ausschalten.

In Dörte Böhners Mitschrift zum Blog 5 „Mobile Apps und E-Books“ findet man weitere Informationen. Außerdem geht Hatori Kibble in einem Blogbeitrag ebenfalls auf diese beiden Vorträge ein.

Ergänzend sei an dieser Stelle auf das ebenfalls passive Navigationssystem von Mapongo hingewiesen, welches ich mir im letzten Jahr im IKMZ Potsdam angeschaut hatte.

Written by lesewolke

7. März 2013 at 06:00